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Makler-Deutsch — eine Sprache für sich.

 

Freitag, der 25. Januar 2008, 18:03 Uhr: Mal was Privates. Ich suche nämlich eine Wohnung. Und als ob das nicht schon anstrengend genug wäre, muss ich mich auch noch durch die Kreativitätsergüsse der Frankfurter Makler kämpfen.

 

Was glauben Sie, wie froh ich bin, dass das Einstellen von Bildern in virtuellen Wohnungsinseraten mittlerweile usus ist! So muss ich mich nicht mehr mit den Texten befassen und sehe direkt — nicht erst vor Ort — was tatsächlich hinter den verklausulierten Anpreisungen der Wohnungsanbieter steckt.

 

Werte Makler, was Sie nämlich unter schick, schmuck und originell verstehen, läuft bei mir unter abgewohnt, renovierungsbedürftig und verdammt unpraktisch geschnitten.

 

Sie dürfen auch ruhig erwähnen, dass die Wohnung mit Dachschrägen und Balken nur dann »einen ganz besonderen Charme« hat, wenn man kleiner als 1,50 m groß ist. Und übrigens, liebe Makler: Eine Wohnküche ist KEIN halbes Zimmer. Ein Wandschrank auch nicht. Und eine Wohnung mit Gittern vor den Fenstern spricht nicht gerade für »eine ruhige Nachbarschaft«.

 

Ach, und wie fantasievoll die einzelnen Wohnviertel von Ihnen immer angepriesen werden! Sie würden sogar Oskars Mülltonne als »originelles Hinterhofidyll« verkloppen, was? Zum Glück kenne ich mich in meiner Stadt ein wenig aus. Sonst würde ich Ihnen doch ernsthaft abkaufen, dass Griesheim ein repräsentativer Stadtteil für ganz Frankfurt ist.

 

Jetzt mal ehrlich: Was haben Sie davon, wenn die Interessenten in Scharen herbei gelaufen kommen — und bereits vor der Haustür wieder kehrt machen?

Stellen Sie sich doch mal vor, wir Texter würden mit Ihrer Strategie ans Werk gehen: Dann würden wir Firmen Leistungen unterstellen, die sie gar nicht anbieten, Lieferanten Ware andichten, die sie nicht besorgen können, und hochgiftigen Chemikalien gesundheitliche Unbedenklichkeit bescheinigen. Gegen Letzteres gibt es glücklicherweise Gesetze. Warum nicht gegen schlechte Maklertexte?!


Kommentar von K. Kolberg von www.KK-HausBau.de am 2008-03-20 00:01:12

Kommentar zu Texter Blog Makler-Deutsch

Diese Erlebnisse lesen sich interessant und spiegeln - leider - auch die Realität vieler Makleranzeigen und -phantasien.

Diese "Arbeitsweisen" selbst ernannter Makler - womit sich diese auch immer vorher ihr Geld verdienten - lassen die ganze Branche in schlechtem Licht erscheinen. Einerseits gibt es glücklicher Weise auch andere Anbieter, diese zu finden ist jedoch (fast) unmöglich.

Ergo:
Bekanntenkreis informieren und im Umfeld immer wieder die aktuelle Suche ansprechen - und Glück haben...

KK

Kommentar von Nadine Neß am 2008-03-20 11:18:29

Kommentar zu Texter Blog Makler-Deutsch

Lieber Herr Kolberg,

es gibt ja auch nette Makler :) Aber selbst diese verkaufen eine Wohnung so, als ob eine Großfamilie darin wohnen könnte - und am Ende ist sie wegen des Schnitts nicht einmal für zwei Personen geeignet ...

Deshalb glaube ich: "Maklerdeutsch" ist eine Werbesprache, die sich verselbständigt hat. So sehr, dass Makler gar nicht mehr anders sprechen und schreiben können.

Deshalb haben Sie recht: Den Bekanntenkreis zu Maklern zu machen ist eine gute Lösung. :)

Viele Grüße und vielen Dank für Ihren Kommentar,

Nadine Neß

Kommentar von Susanne Geiser am 2008-03-25 14:40:23

Kommentar zu Texter Blog Makler-Deutsch

Die Erfahrungen in puncto "Maklerdeutsch" deuten doch schlicht darauf hin, was der oder die Makler(in) für eine Anspruchshaltung gegenüber der Klientel entwickelt hat - es erinnert mich immer wieder an die Anpreisungen von TV- Verkaufsprogrammen. Auch hier stellt man sich unweigerlich die Frage: Wer kauft sowas und dann auch noch per Telefon?

Makler in Deutschland, da ist Qualifikation,in welchem Bereich auch immer, hilfreich aber leider nicht notwendig.

Selten jedoch finden sich passionierte Vertreter der Spezies, die Intelligenz, Sachverstand und verkäuferischen Charme (nicht Schleim) mitbringen, diese will man aber meist nicht adäquat bezahlen!

Wie wärs denn mal mit Eigeninitiative und einer Gesuchanzeige? Aber immer hübsch nah an der Realität bleiben beim Anpreisen der Mieterqualitäten!
Test-Tipp: Welcher Typ Hausbesitzer beauftragt was für Makler? Und: makeln Frauen einfach anders?

Hoffe, die Wunschwohnung ist inzwischen gefunden...

S.G.

Kommentar von felix steinle am 2008-10-16 00:14:54

Kommentar zu Texter Blog Makler-Deutsch

kennt jemand ein buch das "maklerdeutsch" in "deutsch" übersetzt?

Kommentar von Nadine Neß am 2008-10-22 17:47:45

Kommentar zu Felix Steinle

Lieber Felix Steinle,

leider kenne ich kein solches Buch, es hätte mir die Wohnungssuche sicher erleichtert. Es scheint, als haben Sie eine Marktlücke entdeckt - machen Sie etwas daraus (und halten Sie uns auf dem Laufenden)!

Viele Grüße,

Nadine Neß

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