Wortgewalten

Der Texter Blog. Juniortexter
Nadine Neß über ...
... Texter-Lektionen von Simone Laub.
Sie haben Glück. Ich auch.
Selten passiert es, dass man Menschen kennen lernt, die innerhalb einer Stunde mehr Wissen vermitteln, als andere in Jahren. Solch ein Mensch ist die Werbetexterin Simone Laub.
Schon in unserem ersten Gespräch — noch vor meinem ersten Arbeitstag — bekam ich Texter-Lektion um Texter-Lektion über den Tisch gereicht.
Die meisten habe ich behalten. Die wenigsten werde ich verraten. Die allererste (und wichtigste) Texter-Lektion aber dürfen Sie wissen:
Lektion I: Vor dem Texten kommt das Denken!
Und das ist schwieriger, als man allgemeinhin annimmt. Es geht nicht nur um die Kunst ein weißes Blatt auszuhalten ohne Nonsens darauf zu schreiben. Es geht auch nicht um Kreativität, die im Laufe des Textens ohne Zweifel gefragt ist. Es geht um das logische Denken. Das Faktensammeln. Themenrecherche betreiben.
Texten heißt: Jeden Tag etwas Neues lernen.
Auf einmal ist man Fachmann für Hotels, Softwareapplikationen und Veranstaltungstechnik. Je nachdem wie neu das Thema für einen Texter ist, kann das eine Menge Holz sein. Aber schließlich soll das Getextete am Ende so klingen, als habe sich der Verfasser nie mit einem anderen Thema beschäftigt. Gute Texte können komplexe Zusammenhänge einfach vermitteln. Wenn ein Texter nicht weiß worüber er schreibt, kann das nichts werden — auch wenn mancher Schreiberling so sein Geld verdient.
»Ich möchte, dass du erst einmal nur nachdenkst.«
Das sagt Simone jedes Mal, wenn ich mich an ein neues Thema setze und die Tastatur anvisiere. Meine Hände davon zu lassen und erst einmal nur zu denken ist gar nicht leicht, denn jeder neue Gedanke schreit danach, notiert zu werden. Dennoch ergibt das reine Denken vor und nicht erst während des Textens einen Sinn, das merke ich jedes Mal aufs Neue.
Hier schreibt sie selbst über Werbetexte und das Denken ...
Vom Glück zum Schwein ist es nicht weit: Texter auf Trüffelsuche ...
Kommentar von Simone Laub am 2008-03-17 00:41:29
Kommentar zu Texter Blog Lektion I
Hallo Nadine,wozu denn auch alle gelenkigen Denkübungen gleich schriftlich fixieren? Das Aufschreiben hält davon ab, beweglich zu bleiben. Wenn der Geist jedoch frei fliegen darf, lassen sich Fakten und "gefühlter Inhalt" viel variabler kombinieren.
Es geht dabei aus meiner Sicht weniger um reine Rechercheleistung und das Ordnen von Information in Hierarchien (im Sinne der späteren inhaltlichen Abfolge natürlich auch notwendig), sondern vielmehr um das Anlegen eines kommunikativen Fadens.
Welche Strategie ist die richtige für die gestellte Aufgabe? Wie sollte man das Thema angehen, welcher Stil ist zu wählen? Was erwartet der Leser? Wie können wir Leistung und Darstellung unserer Auftraggeber individuell und passend gestalten?
Da ist oft nicht der erste Gedanke der richtige, denn die Aufgabenstellungen unserer Kunden sind häufig diffizil und betreffen immer mehrere inhaltliche Ebenen.
Ich weiß, dass es sich lohnt, für ein besseres, ungewöhnlicheres Ergebnis länger nachzudenken vor dem Schreiben: Die Gefahr, lapidar zu argumentieren oder inflationäre Worthülsen und Klischees zu verwenden, sinkt mit der Denktiefe. Dafür steigt die Textqualität.
Ansonsten bedanke ich mich für dein Kompliment ;-)
Liebe Grüße, Simone