Wortgewalten
Der Texter Blog. Juniortexter Nadine Neß über ...
... die Arbeitszeiten eines Vollblut-Texters. Oder: Zu dieser Hirnzeit arbeitet doch kein Texter mehr!
Sonntag, 06.01.2008, 00:01 Uhr: Ja, Sie sehen richtig. Es ist Sonntag. Und Mitternacht. Nicht, dass ich mich beschweren würde — ich weise lediglich einmal DEZENT auf die Uhrzeiten hin, zu denen Ihre Texter für Sie arbeiten (Und wenn der Junior jetzt noch am Rechner sitzt, dürfen Sie davon ausgehen, dass der ausgereifte Texter manchmal nicht einmal mehr das Muster seiner Bettwäsche kennt.).
Tatsächlich ist es aber gar nicht die Uhrzeit, die erschreckend ist, sondern die Hirnzeit. Die Hirnzeit ist nämlich die wahre Form der Zeitmessung. Nicht die Uhr, sondern das Hirn bestimmt ja, in welchem Texter-Zustand ich mich gerade befinde.
Meine Kernhirnzeit ist ca. von elf Uhr am vormittag bis spätestens drei Uhr in der Nacht.
Den Rest der Zeit ist Schlaf angesagt. Nicht für mich. Ich habe ein Kleinkind zu Hause. Nur für mein Hirn. Deshalb texte ich zu diesen Uhrzeiten auch äußerst selten. Vielleicht hatten Sie mich schon einmal vor zehn Uhr am Telefon — Sie werden wissen, wovon ich spreche.
Wenn Sie mir bereits an diesem Punkt nicht mehr folgen können, lesen Sie bitte gar nicht erst weiter.
Jetzt wird es nämlich erst kompliziert. Denn obwohl ich mich ja gerade noch — mittlerweile ist es 00:19 Uhr — in meiner Kernhirnzeit befinde, ist es hirnzeitlich doch schon bedrohlich spät. Woran ich das merke? Nun ja: Buchstaben übernehmen die Kontrolle über mich. Sie setzen sich an Stellen, die ich so gar nicht für sie vorgesehen hatte (von den Kommata ganz zu schweigen)...
Manchmal ist das relativ harmlos. So kann es zum Beispiel passieren, dass ich dreimal versuche, das Wort »Egdbeersaft« ... ähm »Ercbeerasaft«, ich meine »Erdbeersaft« zu tippen. Manchmal kreieren sich aber auch ganze Wörter selbst.
Wissen Sie zum Beispiel, was ein Texter Block sein soll? Nein? Ich auch nicht. So habe ich aber gerade den Artikel benannt — bevor mir auffiel, dass ich vermutlich Texter Blog hatte schreiben wollen.
Allerhöchste Hirnschlafenszeit also. Gute Nacht. Bis morgen um zehn am Telefon.
Kommentar von Nadine Neß am 2008-01-19 21:51:55
Superhelden vs. Nine to five
Lieber Herr Wolf,ja, so kann es Menschen wie uns gehen. Ganz blöd, wenn man mit Kunden arbeitet, die einen klassischen Nine-to-five-job haben - also in Wirklichkeit von acht bis drei arbeiten und am Freitag schon nach der Mittagspause gehen. Da ist fast nur E-Mail-Kontakt möglich - mit einem Tag Verzögerung ...
Aber es gibt auch andere. Und die sind froh, wenn der Texter ihnen um ein Uhr nachts noch E-Mails schreibt ;)
Viele Grüße,
Nadine Neß
Kommentar von Herr Wolf am 2008-01-17 14:20:41
Endlich
mal jemand, der die Hirnzeit auch kennt. Ich bin noch ein bißchen später von halb elf am Vormittag bis nachts um halb fünf. Leider bringt meine Umwelt nicht immer das nötige Verständnis dafür auf, daß ich zwar nicht gut früh aufstehen kann, dann aber bis tief in die Nacht komplexe Themen bearbeiten kann.Da rette ich im Morgengrauen schon mal die welt, es bekommt nur niemand mit, weil alle anderen schlafen.
Ich schätze aber, das ist das Drama der Superhelden: Sie werden völlig falsch eingeschätzt.