Textersuche: Der Akquiseüberfall.
Weshalb Möchtegern-Schreiber höchstens Texterfrosch werden können.
Suchen Sie Texter? Wir auch.
Es ist ein bisschen wie Frösche küssen: Man hofft auf einen Prinzen und bekommt Qua(r)k. Gern hätten wir noch ein bis zwei Texter, die für werbetexterin.de schreiben. Nur: Das ist nicht so einfach.
Natürlich wissen wir genau, was ein Texter können muss und woran wir ein gutes Exemplar erkennen – wir sind ja selbst professionelle Texter.
Wie schwierig es wirklich ist, einen guten Texter zu finden, zeigen die besonders schaurigen Gegenbeispiele, zum Beispiel auch hier:
Die schlechtesten Texter-Bewerbungen ...
Schön auch das: Kriminal-Tango mit Texter ...
Es melden sich immer wieder ‘Texter’, die vorgeben, ein Talent zu sein. Die Begegnung mit einem dieser Frösche schildert Simone Laub hier:
[09.08.] Gegen ca. 13:00 Uhr zeichnet mein Anrufbeantworter die Nachricht von T.M. auf, der vermeldet, gern »mal was mit mir machen zu wollen«, textlich. Er werde mir nun eine E-Mail senden und mal ein bisschen was schreiben.
Anstelle meines Thunderbird (E-Mail-Programm) vermeldet Skype bei meiner Rückkehr an den Schreibtisch folgende bis dahin recht einseitige ‘Unterhaltung’, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:
Akquise per Skype — Protokoll original mit allen Grammatik- und Rechtschreibfehlern.
[09.08., 13:12:13] T.M.: habe gerade mal bei Ihnen angerufen und auf den AB gesprochen
[09.08., 13:13:26] T. M.: ich würde gern für Sie arbeiten,.. nicht unbediingt Text verfassen, die sich mit Jeans beschäftigen, aber Texte, die im Internet geraucht werden.
[09.08., 13:15:09] T. M.: Aufgrund meiner Erfahrungen (und meines Geburtstages: 10.6.65) halte ich mich in der Lage, gute Texte zu verfassen. Je nach Wunsch: entweder mehr fokussiert, auf den Punkt gebracht oder eher persuasive ;o)
[09.08., 13:15:21] T. M.: Man schreibt, was gefällt.
[09.08., 13:19:48] T. M.: Gern lass ich Ihnen mein Kurz CV zu kommen, allerdings muß ich noch überlegen, was ich als Arbeitsprobe liefern kann.
[09.08., 13:24:00] T. M.: Ich habe eine Idee: bitte senden Sie mir 9 Wörter zu drei unterschiedlichen Themen (3 Keywords je Thema) und einer genauen Anzahl von Wörtern. Ich werde Ihnen dann einen entsprechenden Online-Text dazu generieren.
Mir schwillt der Kamm. Ich kann nicht anders und schreibe zurück:
[09.08., 15:18:00] Copyhexe: Hallo Herr M., was wollen Sie zum Thema Texten fragen? Ich hab keine Frage lesen können, statt dessen, dass Sie Internettexte schreiben, die ‘geraucht’ werden. Genau SOLCHE brauche ich aber nicht ;) Ich verstehe leider auch ‘persuasive’ gar nicht. Als ich Sie dann anrief, ging keiner ran.
Hm. Wirkt irgendwie nicht so super-überzeugend, Sie verstehen? Nehme ich – was ich tue – Ihren Akquiseüberfall als Beispiel Ihrer Arbeit ernst, wäre es Ihnen gar nicht gelungen, mich zu überzeugen.
Dann soll ich mir auch noch 3 Themen und je 9 Wörter ausdenken. Was glauben Sie eigentlich, was ich hier im Office so anstelle? Ich suche jemanden, der in der Lage ist, mir Arbeit abzunehmen, nicht, mir welche zu machen. In diesem Sinne: Ich mach dann mal weiter, okay? Zauberhafte Grüße, die Copyhexe.
Ein echter ‘Texter’ gibt nicht auf.
Leider klingelt Sekunden später wieder das Telefon: Herr M. beschwert sich. Er findet es nicht relevant, dass mir seine Rechtschreibversionen und unstrukturierten Nachrichten nicht zusagen.
Nein, lieber möchte er sich seine Freizeit durch eine fruchtlose Diskussion mit mir verkürzen und ist ‘not amused’, als ich ihn in meiner Verzweiflung – ICH habe ja Arbeit bis über beiden Ohren – schließlich abwürge. Herr M. lässt sich das selbstverständlich nicht bieten und malträtiert mich um 15:31 Uhr erneut per Skype.
Ich erfahre ungefragt, dass Herr M. auf »5-6 Jahre Erfahrung im Bereich Headhunter« zurückblickt und meint beurteilen zu können, »was Menschen leisten oder auch nicht leisten«. Schließlich empfiehlt er, ich solle mir die »Vorteile einer Supervision angedeihen lassen«.
Freundlicherweise übt dieser erfahrene Headhunter auch noch konstruktive Kritik, indem er mich darüber informiert: Meine »Web-Seite könnte in dieser Hinsicht klarer aufgestellt sein.« (Anm.: er bezieht sich auf die ‘Kommunikation’ ...)
Der Akquiseüberfall endet um 15:46:51 Uhr mit dem Schlusswort des Herrn M., das endgültig beweist:
In diesem ‘Ex-Headhunter-ab-morgen-vielleicht-Ihr-Texter’ steckt ein faszinierendes Maß an Selbsterkenntnis:
T.M.: Tut mir leid, ich bin ein strukturierter Mensch und bin für Sponanität nicht wirklich zu haben.
**** Ende der ‘Aufzeichnung’ in Original-Schreibweise ****
Dem wäre nichts mehr hinzuzufügen.
Ich kann es mir dennoch nicht verkneifen: Viele, die sich heute Texter nennen und leider auch nach gusto nennen dürfen, schädigen unseren Berufsstand.
Durch bodenlose Ignoranz von Inhalten und Missachtung von Information schlechthin. Durch beliebigen und respektlosen Umgang mit Worten, Stil, Etikette, Medien, Menschen — und der Idee der Suchmaschine. Durch unstrategische, unüberlegte, austauschbare Texte und Umsetzungen. Natürlich auch einfach durch Geldgier und Verantwortungslosigkeit.
Potenziellen Auftraggebern empfehlen wir:
Ihre Akquise ist erfolgreich, WENN die Maßnahme vorab konzeptionell gut geplant wird und WENN Sie Ihre Zielgruppe wirklich ansprechen — mit relevanten Inhalten, überzeugender Argumentation und aufmerksamkeitsstarker Optik.
Gute Texter sind in jeder dieser Phasen wertvoll, fragen Sie unsere Kunden.
Vor ‘Textern’ wie Herrn M. möge Sie der Himmel beschützen:
Sie könnten Ihr Geld auch an Frösche verfüttern. Erkennbar sind diese Schädlinge meist daran, dass sie kaum oder keine Arbeitsproben besitzen und selten Fragen zu Ihrem Business stellen.
Selbstverständlich gibt es eine große Zahl wirklich erfahrener Kolleginnen und Kollegen, die für Auftraggeber eine Bereicherung sind. Lassen Sie uns weiterhin als Texter gute Arbeit machen, die Wirtschaft braucht uns!
Herzlichst, Simone Laub
Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Erlebnis.
Vielleicht haben Sie auch schon so einen gemeinen Texter-Frosch ‘geküsst’? Sie sind selbst Texter und möchten Ihre Ansicht zum Thema mitteilen? Oder Sie sind ein Frosch und wollen mitquaken? Bitte sehr, nur zu!
